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Medizinal Cannabis in Österreich: Welche Marktchancen sich aus dem deutschen Boom ergeben

Deutschland erlebt einen massiven Boom bei Medizinalcannabis mit über 201 Tonnen Importen im Jahr 2025. Welche Chancen ergeben sich daraus für Österreich? Der Beitrag zeigt das mögliche Marktpotenzial, Umsatzvolumen und steuerliche Effekte – und warum sich für Österreich jetzt ein strategisches Zeitfenster im europäischen Cannabis-Medizinmarkt öffnet.

Das Wichtigste in Kürze: Deutschland importierte 2025 mehr als 201 Tonnen Medizinalcannabis und entwickelte sich zum größten Markt Europas. Österreich verfügt über rund 9,2 Millionen Einwohner und erreicht etwa 11 Prozent der deutschen Bevölkerungsgröße. Hochgerechnet ergibt sich ein potenzieller Bedarf von 8 bis 22 Tonnen Medizinal Cannabis pro Jahr. Das Marktvolumen könnte zwischen 64 und 176 Millionen Euro jährlich liegen. Die reinen Umsatzsteuereinnahmen für Österreich könnten je nach Marktentwicklung zwischen 6,4 und 17,6 Millionen Euro pro Jahr betragen. Eine heimische Produktion könnte Versorgungssicherheit, Arbeitsplätze und Forschung stärken.

Der europäische Markt für Medizinal Cannabis befindet sich in einer historischen Wachstumsphase. Besonders Deutschland hat sich seit der Liberalisierung des Medizinal-Cannabis-Gesetzes (MedCanG) zum größten Markt Europas für medizinisches Cannabis entwickelt. Während im Jahr 2024 rund 72 Tonnen importiert wurden, stiegen die Importmengen laut aktuellen Daten im Jahr 2025 auf über 201 Tonnen an. Parallel wächst die Zahl der Patientinnen und Patienten, die auf Cannabis auf Rezept, medizinische Cannabisblüten und cannabinoidhaltige Arzneimittel zurückgreifen. Diese Entwicklung wirft eine zentrale Frage auf: Welches Potenzial ergibt sich daraus für Österreich? Ein Blick auf Bevölkerungszahlen, internationale Marktentwicklungen und den medizinischen Bedarf zeigt, dass Österreich mittelfristig einen Markt von mehreren Tonnen Cannabis Blüten und anderen medizinischen Cannabisprodukten pro Jahr erreichen könnte.

Deutschland als europäischer Leitmarkt für Medizinal Cannabis

Deutschland gilt mittlerweile als europäischer Wachstumsmotor für medizinisches Cannabis. Aktuelle Marktdaten zeigen:

  • 2024 wurden rund 72 Tonnen importiert.
  • Im ersten Halbjahr 2025 wurden bereits über 80 Tonnen eingeführt.
  • Im Gesamtjahr 2025 lagen die Importe bei mehr als 201 Tonnen.

Damit hat sich der Markt innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Besonders bemerkenswert ist, dass Deutschland trotz eigener Produktion weiterhin stark von Importen abhängig bleibt. Die heimische Produktion lag 2024 lediglich bei rund 2,6 Tonnen. Der überwiegende Teil des Bedarfs wird durch Importe aus Kanada, Portugal, Dänemark, Nordmazedonien und weiteren Ländern gedeckt.

Warum wächst der deutsche Markt so stark?

Mehrere Faktoren treiben die Nachfrage nach Cannabis auf Rezept:

  • Vereinfachter Zugang für Patienten
  • Digitalisierung der Verschreibungsprozesse
  • Wachstum spezialisierter Telemedizin-Anbieter
  • Höhere gesellschaftliche Akzeptanz
  • Wegfall bürokratischer Hürden
  • Zunehmende Nachfrage nach Cannabis Blüten als Therapieoption

Gleichzeitig wird medizinisches Cannabis immer häufiger als mögliche Alternative zu Opioiden, Schlafmitteln und anderen Medikamenten diskutiert.

Wie viele Patienten könnten in Österreich medizinisches Cannabis nutzen?

Österreich verfügt über rund 9,2 Millionen Einwohner. Deutschland zählt rund 84 Millionen Einwohner. Österreich erreicht damit etwa 11 Prozent der deutschen Bevölkerungsgröße. Überträgt man die aktuellen deutschen Verbrauchszahlen auf Österreich, ergibt sich folgendes Marktpotenzial:

  • Importe nach Deutschland: 72 Tonnen (2024), 201 Tonnen (2025)
  • Österreich (hochgerechnet): ca. 8 Tonnen (2024), ca. 22 Tonnen (2025)

Selbst konservativ betrachtet könnte sich der österreichische Markt langfristig zwischen 8 und 22 Tonnen Medizinalcannabis pro Jahr bewegen.

Cannabis Blüten aus der Apotheke: Nachfrage steigt europaweit

Der größte Teil des europäischen Marktwachstums entfällt aktuell auf Cannabis Blüten, die unter pharmazeutischen Standards produziert werden. Patienten bevorzugen häufig:

  • medizinische Cannabisblüten
  • standardisierte THC-Blüten
  • CBD-dominante Cannabisprodukte (keine Arzneimittel)
  • Cannabisextrakte
  • cannabinoidhaltige Arzneimittel

In Deutschland gehören Cannabis Blüten aus der Apotheke mittlerweile zu den am häufigsten nachgefragten medizinischen Cannabisprodukten. Diese Entwicklung könnte mittelfristig auch in Österreich eintreten.

Das Umsatzpotenzial von Medizinal Cannabis in Österreich

Für die wirtschaftliche Betrachtung ist der durchschnittliche Verkaufspreis entscheidend. Aktuelle Marktdaten aus Deutschland zeigen durchschnittliche Apothekenpreise von etwa 7 bis 9 Euro pro Gramm. Für die Berechnung wird ein Mittelwert von 8 Euro pro Gramm verwendet.

Szenario 1 – 8 Tonnen Jahresbedarf

8.000 Kilogramm entsprechen 8.000.000 Gramm. Bei 8 Euro pro Gramm ergibt sich ein Marktvolumen von: 64 Millionen Euro pro Jahr

Szenario 2 – 13 Tonnen Jahresbedarf

13.000 Kilogramm entsprechen 13.000.000 Gramm. Marktvolumen: 104 Millionen Euro pro Jahr

Szenario 3 – 22 Tonnen Jahresbedarf

22.000 Kilogramm entsprechen 22.000.000 Gramm. Marktvolumen: 176 Millionen Euro pro Jahr

Damit könnte der österreichische Markt für medizinisches Cannabis, Cannabis Blüten und verwandte Produkte mittelfristig ein Volumen zwischen 64 und 176 Millionen Euro jährlich erreichen.

Welche Steuereinnahmen könnte Österreich erzielen?

Neben der medizinischen Versorgung könnte ein regulierter Markt für Medizinal Cannabis Österreich auch erhebliche fiskalische Vorteile bringen. Da Arzneimittel in Österreich grundsätzlich dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 10 Prozent unterliegen, ergibt sich folgende Berechnung:

Szenario 1 – 64 Millionen Euro Marktvolumen

Umsatzsteuer (10 %): 6,4 Millionen Euro

Szenario 2 – 104 Millionen Euro Marktvolumen

Umsatzsteuer (10 %): 10,4 Millionen Euro

Szenario 3 – 176 Millionen Euro Marktvolumen

Umsatzsteuer (10 %): 17,6 Millionen Euro

Zusätzlich würden entstehen:

  1. Körperschaftsteuer
  2. Lohnsteuer
  3. Sozialversicherungsbeiträge
  4. Kommunalsteuer
  5. Wertschöpfung entlang der Lieferkette
  6. Investitionen in Forschung und Entwicklung

Der tatsächliche volkswirtschaftliche Nutzen könnte daher deutlich höher liegen.

Versorgungssicherheit wird zum entscheidenden Faktor

Die deutsche Entwicklung zeigt nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen. Die starke Importabhängigkeit führt zunehmend zu Diskussionen über Lieferketten, Qualitätskontrolle und Versorgungssicherheit. Da ein Großteil der europäischen Nachfrage über Importe gedeckt wird, gewinnen Transparenz, Nachverfolgbarkeit und pharmazeutische Qualitätsstandards immer mehr an Bedeutung.

Warum regionale Produktion an Bedeutung gewinnt

Eine heimische Produktion von Medizinal Cannabis bietet zahlreiche Vorteile:

  • Höhere Versorgungssicherheit
  • Kürzere Lieferketten
  • Bessere Qualitätskontrolle
  • Höhere Wertschöpfung im Inland
  • Neue Arbeitsplätze im Pharmasektor
  • Ausbau von Forschung und Entwicklung
  • Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich

Welche Krankheiten werden mit medizinischem Cannabis behandelt?

Internationale Studien und aktuelle Therapiekonzepte beschäftigen sich unter anderem mit folgenden Anwendungsgebieten:

  • Chronische Schmerzen
  • Multiple Sklerose
  • Schlafstörungen
  • Neurologische Erkrankungen
  • Onkologische Begleittherapien
  • Spastiken, Epilepsie
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit infolge von Chemotherapien

Die Forschung zu medizinischem Cannabis entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Österreich könnte von den Erfahrungen Deutschlands lernen

Deutschland zeigt eindrucksvoll, wie schnell die Nachfrage nach Cannabis auf Rezept steigen kann. Gleichzeitig macht die Entwicklung deutlich, welche Risiken entstehen, wenn ein Markt fast ausschließlich von Importen abhängig ist. Während Deutschland seine Eigenproduktion aktuell ausbaut, könnte Österreich frühzeitig auf einen ausgewogenen Mix aus:

  • kontrolliertem Import
  • heimischer Produktion
  • Forschung
  • Qualitätsmanagement
  • digitaler Rückverfolgbarkeit

setzen. Dadurch ließe sich eine stabile Versorgung der Patientinnen und Patienten langfristig sicherstellen.

Die Zukunft von Medizinal Cannabis in Österreich

Die europäischen Märkte befinden sich weiterhin in einer frühen Wachstumsphase. Sollte Österreich ähnliche regulatorische Schritte wie Deutschland setzen und den Zugang zu medizinischem Cannabis, Cannabis Blüten, Cannabis auf Rezept und anderen cannabinoidhaltigen Therapien erleichtern, könnte innerhalb weniger Jahre ein Markt mit dreistelligen Millionenumsätzen entstehen. Für Politik, Gesundheitswesen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen ergeben sich dadurch erhebliche Chancen.

Fazit

Deutschland hat sich innerhalb kürzester Zeit zum größten Markt Europas für Medizinal Cannabis entwickelt. Mit mehr als 201 Tonnen Importvolumen im Jahr 2025 zeigt sich eindrucksvoll, wie dynamisch die Nachfrage nach Cannabis Blüten, medizinischem Cannabis, Cannabis auf Rezept und Cannabis Inhalatoren wachsen kann. Überträgt man diese Entwicklung auf Österreich, ergibt sich ein realistisches Marktpotenzial von 8 bis 22 Tonnen pro Jahr. Daraus resultiert ein mögliches Marktvolumen zwischen 64 und 176 Millionen Euro jährlich sowie Umsatzsteuereinnahmen von bis zu 17,6 Millionen Euro pro Jahr. Für Politik, Gesundheitswesen und Investoren stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob Medizinal Cannabis Österreich ein relevanter Zukunftsmarkt wird – sondern wer künftig die Wertschöpfung kontrolliert: internationale Importeure, heimische Produzenten, oder der Staat.

Quellenangaben:

Apotheken Umschau. (2025, 27. Februar). Cannabis-Importe nach Deutschland im Jahr 2024 vervierfacht. https://www.apotheken-umschau.de/news/cannabis-importe-nach-deutschland-im-jahr-2024-vervierfacht-1243205.html

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (o. J.). FAQ: Medizinisches Cannabis. https://www.bfarm.de

Deutsches Ärzteblatt. (2025, 27. Februar). Massiver Anstieg bei Import von medizinischem Cannabis. https://www.aerzteblatt.de/news/massiver-anstieg-bei-import-von-medizinischem-cannabis-61db79f5-3ae6-4d15-b21d-9f56c893222c

Cannamonitor. (2026, März 5). Germany imports 201 tonnes of medical cannabis in 2025 and crosses €1 billion in sales. https://cannamonitor.com

Cannabis Industry Data. (2025, August 6). Germany imported over 80 tonnes of cannabis in 2025 so far. https://www.cannabisindustrydata.com

International Cannabis Business Conference (ICBC). (2025). Germany imported over 201 tonnes of medical cannabis in 2025. https://internationalcbc.com

Natural Pharma. (2026, März 29). Germany surpasses 200 tonnes of medical cannabis imports in 2025. https://natpha.com

Reuters. (2025, Oktober 8). Germany to restrict online cannabis sales to curb ballooning imports. https://www.reuters.com

AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. (2026). Anbau von Cannabis zur Herstellung von Arzneimitteln (medizinisches Cannabis). https://www.ages.at/gesundheit

Statistik Austria. (2025). Gesundheitsstatistiken und Bevölkerungsdaten Österreich. https://www.statistik.at

Bilder: HANAFSAN, ChatGPT

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