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Hanf Fakten

Cannabinoide bei Angststörungen und Schlafproblemen: Was die aktuelle Forschung zeigt

Können Cannabinoide bei Angststörungen und Schlafproblemen helfen? Eine aktuelle Übersichtsarbeit der University of Florida analysierte 29 wissenschaftliche Studien und fand Hinweise darauf, dass insbesondere CBD positive Effekte auf Angstsymptome und die Schlafqualität haben könnte. Erfahren Sie, welche Ergebnisse die Wissenschaft aktuell liefert und warum weitere Untersuchungen dringend erforderlich sind.

Angststörungen und Schlafprobleme gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden weltweit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass beide Erkrankungen eng miteinander verbunden sind. Schätzungsweise 60 Prozent der Menschen mit Angststörungen leiden gleichzeitig unter Schlafstörungen. Entsprechend groß ist das Interesse an neuen Therapieansätzen. Eine aktuelle Scoping-Review aus dem Jahr 2025 von Forschenden der University of Florida und der University of Central Florida analysierte die bisherige Studienlage zu Cannabinoiden bei Angststörungen und Schlafproblemen. Die Ergebnisse zeigen interessante Potenziale, machen aber auch deutlich, dass noch viele Fragen offen sind.

Warum Angst und Schlafstörungen häufig gemeinsam auftreten

Angst und schlechter Schlaf beeinflussen sich gegenseitig. Menschen mit Angststörungen haben oft Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen. Gleichzeitig kann chronischer Schlafmangel Ängste verstärken oder sogar auslösen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass beide Beschwerden möglicherweise ähnliche biologische Ursachen haben. Dazu zählen unter anderem:

  • Veränderungen der Cortisolregulation
  • Störungen der Stressverarbeitung
  • Beeinträchtigungen exekutiver Funktionen im Gehirn
  • Veränderungen wichtiger Neurotransmittersysteme

Diese Zusammenhänge machen es sinnvoll, therapeutische Ansätze zu untersuchen, die beide Beschwerden gleichzeitig beeinflussen könnten.

Die Bedeutung von Cannabinoiden in der Forschung wächst

In den vergangenen zehn Jahren hat die wissenschaftliche Literatur zu medizinischem Cannabis und Cannabinoiden deutlich zugenommen. Laut den Autoren der Übersichtsarbeit ist die Anzahl entsprechender Veröffentlichungen etwa um das 15-Fache gestiegen. Besonders im Fokus steht dabei Cannabidiol (CBD), ein nicht berauschender Bestandteil der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu THC verursacht CBD keine typischen psychoaktiven Effekte und wird deshalb häufig als potenziell gut verträgliche Option untersucht. Auch Produkte wie CBD Öl stehen zunehmend im Interesse von Forschenden und Anwendern, insbesondere im Zusammenhang mit Stress, innerer Unruhe und Schlafqualität.

Aufbau der Übersichtsarbeit

Für die Analyse wurden zahlreiche wissenschaftliche Datenbanken durchsucht, darunter:

  • PubMed
  • EMBASE
  • Cochrane Library
  • PsycINFO
  • CINAHL
  • LILACS

Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler 1.132 relevante Veröffentlichungen. Nach einer systematischen Auswahl erfüllten schließlich 29 Studien die Einschlusskriterien. Die untersuchten Studien umfassten:

  1. Randomisierte klinische Studien
  2. Beobachtungsstudien
  3. Kohortenstudien
  4. Fallserien
  5. Querschnittsstudien

Dadurch entstand ein umfassender Überblick über den aktuellen Wissensstand.

Welche Ergebnisse wurden beobachtet?

Die Auswertung zeigt, dass Cannabinoide – insbesondere CBD – in mehreren Studien positive Effekte auf Angstsymptome und Schlafstörungen zeigten. Rund 45 Prozent der eingeschlossenen Untersuchungen berichteten Verbesserungen bei beiden Endpunkten. Allerdings unterschieden sich die Studien teilweise erheblich hinsichtlich:

  • Teilnehmergruppen
  • Dosierungen
  • Behandlungsdauer
  • Verwendeten Cannabinoiden
  • Messmethoden

Diese Unterschiede erschweren es, allgemeingültige Empfehlungen abzuleiten.

Positive Hinweise auf Verbesserungen

Mehrere Studien zeigten Verbesserungen bei:

  • subjektiver Schlafqualität
  • Einschlafproblemen
  • nächtlichem Erwachen
  • Angstwerten auf standardisierten Skalen
  • allgemeinem Wohlbefinden

Welche CBD-Dosierungen wurden untersucht?

Ein wichtiger Aspekt der Übersichtsarbeit betrifft die verwendeten Dosierungen.

Studien bei Menschen mit Angst und Schlafproblemen

Besonders interessant sind Untersuchungen, die gezielt Menschen mit Angststörungen oder Schlafproblemen einschlossen.

Kombination aus CBD und Melatonin

Eine Fallserie beobachtete 20 Patienten über drei Monate. Die Teilnehmer erhielten:

  • 2,5 mg CBD-Extrakt
  • 1,5 mg Melatonin

Die Ergebnisse zeigten signifikante Verbesserungen sowohl bei der Schlafqualität als auch bei den Angstwerten.

CBD zwischen 25 und 75 mg täglich

Eine weitere Fallserie untersuchte Erwachsene mit Angst- und Schlafstörungen. Nach drei Monaten wurden beobachtet:

Verbesserungen der Schlafqualität

Die durchschnittlichen Werte im Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) verbesserten sich kontinuierlich über den Beobachtungszeitraum.

Reduktion von Angstsymptomen

Auch die Werte auf der Hamilton Anxiety Rating Scale (HAM-A) gingen deutlich zurück. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass moderate CBD-Dosierungen für bestimmte Personengruppen interessant sein könnten. Allerdings handelt es sich bei Fallserien um Studienformen mit begrenzter Aussagekraft.

Warum die Studienlage noch keine klaren Empfehlungen erlaubt

Trotz der positiven Hinweise kommen die Autoren zu einem vorsichtigen Fazit.

Fehlende Standardisierung

Ein zentrales Problem besteht darin, dass die Studien sehr unterschiedliche Produkte verwendeten:

  • CBD-Isolate
  • Vollspektrum-Extrakte
  • THC-dominante Präparate
  • Kombinationen verschiedener Cannabinoide

Dadurch lassen sich Ergebnisse nur schwer vergleichen.

Unterschiedliche Dosierungen

Die verwendeten Mengen reichten von wenigen Milligramm bis zu mehreren hundert Milligramm pro Tag. Bis heute ist unklar:

  • Welche Dosis optimal wirkt
  • Welche Einnahmedauer sinnvoll ist
  • Welche Personengruppen besonders profitieren könnten
  • Unterschiedliche Patientengruppen

Viele Studien untersuchten Menschen mit sehr unterschiedlichen Grunderkrankungen, beispielsweise:

  • chronische Schmerzen
  • Parkinson-Erkrankung
  • Stress / innere Unruhe

Dadurch lässt sich schwer beurteilen, welche Effekte speziell auf Angst oder Schlafstörungen zurückzuführen sind.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die aktuelle Übersichtsarbeit liefert interessante Hinweise darauf, dass Cannabinoide und insbesondere CBD bei einigen Menschen positive Auswirkungen auf Angst und Schlaf haben könnten. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die wissenschaftliche Evidenz noch nicht ausreicht, um allgemeingültige Dosierungsempfehlungen abzuleiten. Wer sich für CBD Öl oder andere cannabinoidhaltige Produkte interessiert, sollte berücksichtigen, dass individuelle Reaktionen unterschiedlich ausfallen können und die bisherige Forschung noch viele offene Fragen enthält.

Fazit: Vielversprechende Ansätze, aber weiterer Forschungsbedarf

Die Scoping-Review der University of Florida kommt zu einem ausgewogenen Ergebnis: Cannabinoide, insbesondere CBD, zeigen Potenzial bei der Unterstützung von Menschen mit Angststörungen und Schlafproblemen. Zahlreiche Studien berichten über Verbesserungen der Schlafqualität und eine Verringerung von Angstsymptomen. Dennoch verhindern die große methodische Vielfalt der Studien sowie fehlende standardisierte Dosierungsprotokolle derzeit eindeutige Schlussfolgerungen. Für die Zukunft fordern die Autoren hochwertige klinische Studien mit klar definierten Dosierungen, standardisierten Messverfahren und gezielten Untersuchungen von Menschen mit diagnostizierten Angst- oder Schlafstörungen. Erst dann wird sich genauer beantworten lassen, welche Rolle Cannabinoide und andere natürliche Wirkstoffe in der Behandlung dieser weit verbreiteten Beschwerden spielen können.

Quellenangabe:

Cannabinoids for Anxiety and Sleep Disturbances: A Scoping Review. Med Cannabis Cannabinoids. 2025 Oct 22;8(1):219-237. doi: 10.1159/000548890. eCollection 2025 Jan-Dec.

Bilder: HANAFSAN, ChatGPT

Redaktioneller Inhalt wurde von Dr. Daniel Feurstein überprüft. ✓

Dr. Daniel Feurstein
Ausbildung:
  • Biologie-Studium an der Universität Konstanz mit Schwerpunkt Biochemie und Pflanzenphysiologie (2000 bis 2005)
  • Promotion am Lehrstuhl für Human- & Umwelttoxikologie an der Universität Konstanz (2006 bis 2009)
  • Post-Doc am renommierten Scripps Research Institute in Florida, USA (2010 bis 2011)
Berufserfahrung:
  • Study Director Bioanalytical Studies, Celerion Switzerland AG, Schweiz (2012 bis 2014)
  • Gruppenleiter Bioanalytik GxP, Molecular Partners AG, Schweiz (2014 bis 2018)
  • Gründer und CEO von Dr. Feurstein Medical Hemp GmbH (2017 bis heute)
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