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Cannabidiol und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neue Hoffnung für die Herzmedizin?
Kann Cannabidiol (CBD) künftig bei Herzkrankheiten eingesetzt werden? Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Perikarditis, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Herzinfarkt. Noch fehlen jedoch große klinische Studien.Die Forschung rund um Cannabidiol (CBD) entwickelt sich rasant. Während CBD bisher vor allem mit der Behandlung von Schmerzen, Angststörungen oder Epilepsie in Verbindung gebracht wurde, rückt nun ein neues Einsatzgebiet in den Fokus: die Herz-Kreislauf-Medizin. Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit untersucht, ob CBD künftig eine Rolle bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen könnte. Die Ergebnisse zeigen: Das nicht berauschende Cannabinoid besitzt bemerkenswerte entzündungshemmende, antioxidative und gefäßerweiternde Eigenschaften, die sich positiv auf verschiedene Herzerkrankungen auswirken könnten. Allerdings steht die Forschung noch am Anfang.
Warum könnte CBD für das Herz interessant sein?
Im Gegensatz zu THC wirkt CBD nicht psychoaktiv. Stattdessen beeinflusst es zahlreiche biologische Signalwege, die für die Herzgesundheit von Bedeutung sind.
Die Forscher identifizieren insbesondere drei wichtige Wirkmechanismen:
- Entzündungshemmung
- Antioxidative Wirkung
- Verbesserung der Gefäßfunktion
Chronische Entzündungen und oxidativer Stress gelten heute als zentrale Ursachen vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Genau an diesen Punkten könnte CBD therapeutisch ansetzen.
CBD bei Herzbeutelentzündungen (Perikarditis)
Besonders vielversprechend sind die Ergebnisse bei der rezidivierenden Perikarditis, also wiederkehrenden Herzbeutelentzündungen.
Tierstudien zeigen deutliche Effekte
In Tiermodellen reduzierte CBD:
- die Dicke des Herzbeutels,
- die Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel,
- die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe wie IL-1β und IL-6.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass CBD Entzündungsprozesse am Herzen gezielt beeinflussen kann.
Erste klinische Studien machen Hoffnung
In der Phase-II-Studie MAVERIC-Pilot erhielten Patienten mit wiederkehrender Perikarditis ein hochreines CBD-Präparat. Das Ergebnis:
- deutliche Verringerung der Schmerzen,
- schnelle Symptomverbesserung innerhalb weniger Tage,
- gute Verträglichkeit.
Sollten laufende Studien diese Ergebnisse bestätigen, könnte CBD künftig eine nicht immunsuppressive Alternative zu Kortison oder IL-1-Hemmern darstellen.
Kann CBD Herzmuskelentzündungen lindern?
Auch bei der Myokarditis, einer Entzündung des Herzmuskels, sehen Wissenschaftler großes Potenzial.
Weniger Entzündung und weniger Narbenbildung
In präklinischen Untersuchungen führte CBD zu:
- geringerer Entzündung des Herzmuskels,
- weniger Fibrose,
- verbesserter Herzfunktion.
Da die Behandlungsmöglichkeiten bei Myokarditis begrenzt sind, könnten neue Therapieansätze dringend benötigt werden. Derzeit untersucht die klinische Studie ARCHER, ob sich diese positiven Effekte auch beim Menschen bestätigen lassen.
CBD als Schutz vor Herzinfarkt-Schäden?
Besonders spannend sind die Daten zum sogenannten Ischämie-Reperfusionsschaden.
Das Problem nach einem Herzinfarkt
Wird ein verschlossenes Herzkranzgefäß wieder geöffnet, kann die plötzliche Wiederherstellung der Durchblutung zusätzlichen Schaden verursachen. Entzündungen und freie Radikale spielen dabei eine entscheidende Rolle.
CBD reduziert Infarktgröße
In Tierstudien konnte CBD:
- die Infarktgröße um bis zu 66 Prozent reduzieren,
- die Durchblutung verbessern,
- Entzündungsreaktionen deutlich abschwächen.
Außerdem fanden Forscher Hinweise auf eine schützende Wirkung auf die kleinen Blutgefäße des Herzens. Noch fehlen allerdings klinische Studien am Menschen, die diese Ergebnisse bestätigen.
Potenzial bei Herzinsuffizienz und Kardiomyopathien
Chronische Herzschwäche entsteht häufig durch:
- Herzinfarkte,
- Diabetes,
- Entzündungen,
- oxidativen Stress.
Genau diese Mechanismen werden von CBD beeinflusst.
Schutz der Herzmuskelzellen
In verschiedenen Tiermodellen zeigte CBD:
- geringere Zellschäden,
- weniger Fibrose,
- bessere Pumpfunktion des Herzens.
Besonders interessant sind die Ergebnisse bei:
Diabetischer Kardiomyopathie
Hier reduzierte CBD:
- oxidativen Stress,
- Entzündungsprozesse,
- mitochondriale Schäden.
Chemotherapie-bedingter Herzschädigung
Auch bei durch Chemotherapeutika ausgelösten Herzschäden zeigte CBD eine deutliche Schutzwirkung. Ob diese Effekte auf den Menschen übertragbar sind, müssen künftige Studien klären.
Kann CBD den Blutdruck senken?
Ein weiteres Forschungsfeld ist die Wirkung von CBD auf den Bluthochdruck.
Klinische Studie zeigt positive Ergebnisse
In einer randomisierten Studie mit Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Bluthochdruck führte die Einnahme von CBD zu:
- niedrigeren systolischen Blutdruckwerten,
- niedrigeren diastolischen Werten,
- einer Verbesserung des 24-Stunden-Blutdruckprofils.
Die Blutdrucksenkung fiel zwar moderat aus, könnte aber langfristig dennoch klinisch relevant sein.
Forscher vermuten, dass neben gefäßerweiternden Effekten auch die angstlösenden Eigenschaften von CBD eine Rolle spielen.
Gibt es Risiken für das Herz?
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse warnen die Autoren vor einer vorschnellen Anwendung.
Fazit: Hat CBD eine Zukunft in der Herzmedizin?
Die neue Übersichtsarbeit zeichnet ein vielversprechendes Bild. CBD könnte künftig eine Rolle spielen bei:
- Perikarditis
- Myokarditis
- Herzinsuffizienz
- Ischämischen Herzkrankheiten
- Bluthochdruck
Besonders seine entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften machen den Wirkstoff zu einem spannenden Kandidaten für die kardiovaskuläre Medizin. Dennoch gilt: Derzeit reicht die Datenlage noch nicht aus, um CBD als Standardtherapie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu empfehlen. Erst große, randomisierte Studien müssen zeigen, ob sich die vielversprechenden Ergebnisse aus Labor und Tiermodellen auch beim Menschen bestätigen. Bis dahin bleibt Cannabidiol ein äußerst interessantes Forschungsfeld – mit dem Potenzial, die zukünftige Behandlung bestimmter Herzerkrankungen grundlegend zu verändern.
Quellen:
Abdalla HM, Bacon A, VanDolah H et al. Cannabidiol in Cardiovascular Disease: A Review of Current Evidence and Future Directions. Journal of Cardiovascular Pharmacology and Therapeutics, 2026. DOI: 10.1016/j.mayocp.2025.10.009
Martinez-Naya N et al. Cannabidiol reduces inflammation in experimental acute pericarditis.
MAVERIC-Pilot Trial – Impact of CardiolRx™ on Recurrent Pericarditis.
ARCHER Trial – Acute Myocarditis Cannabidiol Therapy Study
Bilder: National Cancer Institute auf Unsplash

















