Die Geschichte der Kulturpflanze Hanf
Darum nehmen wir euch mit auf eine Zeitreise, um euch zu zeigen, woher die universelle Heil- und Nutzpflanze eigentlich kommt, worin Cannabis eigentlich überall Verwendung fand und was genau mit dem Image von Hanf geschehen ist. Obwohl Cannabis eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt ist, ist die Geschichte von Cannabis als solche noch nicht vollständig geklärt. Radiokohlenstoffdatierungen jedoch konnten anhand von archäologischen Funden nachweisen, dass Cannabis bereits vor tausenden Jahren genutzt wurde. Dank übereinstimmenden Quellen geht man heute davon aus, dass die Kultivierung von Hanf als Nutzpflanze vermutlich vor ungefähr 10.000 Jahren im alten China begann. Zu dieser Zeit waren insbesondere Hanfsamen ein weit verbreitetes Nahrungsmittel aber auch die psychoaktive, halluzinogene Wirkung von Cannabis Blüten mit einem relevanten Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC; das Cannabinoid das für das „high“ verantwortlich ist) wurde neben der Fähigkeit Senilität zu lindern, in etlichen Büchern erwähnt. Auch sehr interessant: 8.000 Jahre später beschreibt Li Shih-Chen, der bis heute als Chinas größter Kräuterspezialist gilt, mehr als 120 verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Hanf.
Hanf in der Antike
Von China aus scheint die Pflanze dann um 1400 v. Chr. nach Indien gelangt zu sein. Dort wurde sie unter anderem in der ayurvedischen Kultur wegen der halluzinogenen Wirkung von THC geschätzt, denn die psychoaktive Wirkung spielte bei bestimmten kultischen Handlungen eine wichtige Rolle. So habe „die heilige Droge“ beim Meditieren geholfen und löste Angst und Stress auf, heißt es.Hanf war (und ist erneut) ein sehr umstrittenes und umkämpftes Gut, weswegen es lange brauchte, um einen Weg nach Europa zu finden. Doch irgendwann schaffte es die Kulturpflanze dann doch über den fernen Osten in den europäischen Raum, genauer gesagt über die großen Handelsorte im heutigen Griechenland und Italien. Auch die Seefahrt trug ihren Teil dazu bei. So waren Segel für Schiffe, Seile, Flaggen oder sogar die Uniformen der Matrosen über hunderte Jahre hinweg aus Hanf produziert worden.Im alten Griechenland und in Rom fand Cannabis zunächst kaum Anwendung. Auch auf die berauschende Wirkung wurde kein allzu großer Wert gelegt. So wurde die Pflanze beispielsweise von Hippokrates, dem wohl berühmtesten Arzt der Antike (ca. 460 v. Chr.) überhaupt nicht erwähnt. Dioskurides, der um Christi Geburt als Militärarzt diente, berichtet in seinen Büchern dann jedoch ganz klar über die Wirkung von Cannabis.
Hanf im Mittelalter
Zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert übersetzten dann auch muslimische Ärzte die Werke von Dioskurides und erhielten so Kenntnis über Cannabis. Weil Alkohol im Islam verboten war, galt der Konsum von Cannabis hingegen als weit verbreitet. Auch über Spanien fand Hanf, speziell die Hanffaser, seinen Weg nach Europa für die Papierherstellung. Da die Papierherstellung damals noch nicht durch den Rohstoff Holz beherrscht wurde, war Hanf einer der wichtigste Rohstoff für die Papierproduktion. Durch den hohen Zellulose-Gehalt war und ist Hanfpapier im Vergleich zu anderen Papierarten auf Holzbasis besonders haltbar und reißfest. Es kann öfters recycelt werden und benötigt dabei auch noch weniger Anbaufläche als Holz. Funfact: berühmte Werke wie die Gutenberg-Bibel (1455) aber auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) wurden erstmals auf Hanfpapier gedruckt.
Hanf von der Neuzeit bis jetzt
Zwei Jahrhunderte später begann das Image von Hanf aber langsam zu bröckeln. Vor allem die Entwicklung von Baumwoll-Spinnmaschinen im 19. Jahrhundert sowie die billigen Importe von Baumwolle und Jute, vor allem aus Russland und Asien, beendeten die Nutzung von Hanf und Flachs als Textilfaser. Dazu kam, dass die Prohibition in den USA ihren Lauf nahm. Eine fundamentale Bewegung angeführt von einer patriotischen weißen Oberschicht, die zum Kampf gegen Genussmittel aller Art aufrief. Bis zum Jahr 1929 hatten bereits 16 Bundesstaaten im Südwesten der USA ein Verbot bezüglich des Gebrauchs von Hanf erlassen. Natürlich fehlte alledem jegliche wissenschaftliche Grundlage, doch die Hetze zeigte Wirkung und so war der Gebrauch von Hanf bis 1935 in praktisch jedem amerikanischen Bundesstaat verboten. Als dann 1938 endlich die erste vollautomatische Hanfschälmaschine in den USA vorgestellt wurde, setzten führende amerikanische Industrielle, unter anderem Vertreter aus der Baumwoll- und Pharmaindustrie, eine Hanfsteuer und schließlich ein Hanfanbauverbot in den USA durch und verschlossen damit endgültig die Absatzmärkte für Hanf. Den Höhepunkt fand die Cannabis Verteufelung mit dem Einheitsabkommen der Vereinten Nationen über Betäubungsmittel (Single Convention on Narcotic Drugs) von 1961. Ein aus heutiger Sicht zum Teil fragwürdiges internationales Vertragswerk mit dem Ziel, die Verfügbarkeit einiger Drogen einzuschränken. Knapp 30 Jahre später gab es dann aber wieder Hoffnung für die mittlerweile im schlechten Licht stehende Hanfpflanze. Einem israelischen Forschungsteam gelang es schließlich Tetrahydrocannabinol (THC), den psychoaktiven Hauptwirkstoff von Cannabis, zu isolieren und zu synthetisieren. Aber noch in den 70er Jahren begaben sich in den meisten Ländern der westlichen Welt sowohl Ärzte als auch Patienten noch in Gefahr einer Verurteilung, wenn Cannabis verwendet wurde. Doch die Pioniere hatten Blut geleckt und so machte auch die Forschung um den nicht „berauschenden“ Wirkstoff des Hanfs Cannabidiol (CBD) spürbare Fortschritte.
CBD/THC-Medikament
Als 2011 dann auch noch das unter dem Handelsnamen „Sativex“ bekannte CBD/THC-Medikament in vielen europäischen Ländern zugelassen wurde, war die Pflanze oder vielmehr ihre Inhaltsstoffe, in Europa definitiv angekommen. Auch in den letzten Jahren trieben sowohl Gesundheitsorganisationen als auch die marktübliche Nachfrage nach natürlichen Wirkstoffen die Renaissance der Kulturpflanze weiter voran. Und auch bei den Vereinten Nationen kommt langsam aber stetig Bewegung in die alte Einschätzung aus den 60er Jahren. Eine Neubewertung von Cannabis, unter anderem auf Anraten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Druck aus den USA, kommt der Suchtstoffkontrollrat der Vereinten Nationen im Dezember 2020 erneut in Wien zusammen. Somit bietet sich eine einmalige Chance die Fehler von damals zurecht zu rücken und die wissenschaftlichen Fakten über Cannabis anzuerkennen. Satz und Druckfehler vorbehalten. Die angeführten krankheitsbezogenen Aussagen stehen nicht im Zusammenhang mit HANAFSAN Produkten
Quellenverweise:
„Cannabis als Medizin - Ein praktischer Leitfalden für den medizinischen Einsatz der Hanfpflanze" Michael Backes, Kopp Verlag ©2016
"Hemp and the global economy" Nadra O. Hashim, Lexington Books ©2017
"Commodifying Cannabis: A cultural history of a complex plant in the Atlantic world" Bradley J. Borougerdi, Lexington Books ©2018
Bildquelle: © 2020 Tabea Walch
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