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Hanf ist bei uns allgegenwärtig – Spannende historische Beispiele aus Vorarlberg

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Im 16. Jahrhundert wuchs der Markt für Textilien und damit deren Erzeugung stark an, so dass die Bauern ihre Anbauflächen für Flachs und Hanf ausweiteten.

Der gesponnene Flachs und Hanf wurde Berichten von 1750 zu Folge meist nach Deutschland und in die Schweiz exportiert und die daraus gefertigten Waren dann teuer zurückgekauft. Eine hochwertige Leinenproduktion im eigenen Land wäre deshalb sinnvoll gewesen, wofür die Bevölkerung allerdings wohl nicht investitions- und unternehmerfreudig genug war. Dies änderte sich erst mit dem Aufkommen der Baumwolle um 1750 durch Initiativen aus der Schweiz.

Zeitzeugen

Die meisten Flur- und Ortsnamen, die den Anbau und die Verwendung von Hanf und Flachs bezeugen, liegen in Höhen von 394 bis 600 müNN. Hanf wächst gerne in nährstoffreichen Flusstälern oder auf gut entwässertem Moorland und liebt tiefgründige, humus- und stickstoffreiche, kalkhaltige Böden mit guter Wasserversorgung wie sie unter anderem  im Alpenvorland vorkommen.
Hanf und Flachs waren früher die wichtigsten Faserlieferanten, vor allem für den bäuerlichen Eigenbedarf an Garnen und Leinen, später dann auch für die Textilindustrie. Daneben hat man ihn aber auch als Nahrungsmittel verwendet. Dank spannender Entdeckungen in Europa,  z. B. ein Hanfseil aus der Hallstattzeit, das man im Halleiner Salzbergwerk im österreichischen Hallstatt gefunden hat, weiß man heute, dass Hanf schon seit mehr als 2000 Jahren angebaut wird. Aus dem niederösterreichischen Gars/Thunau stammt ein Fund von Hanfsamen aus dem 9./10. Jahrhundert, wo Hanf wahrscheinlich zur Fasergewinnung, vielleicht aber auch als Öl- oder Heilpflanze kultiviert wurden. Dass die Nutzung von Hanf ihren Ursprung in China hatte, bezeugen bedruckte Textilien aus der Zeit von ca. 4200 – 3200 v. Chr.! Mehr dazu erfährst du hier.

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Hanf Physiologie & die Hanfernte

Botanisch betrachtet ist Cannabis „zweihäusig“, das bedeutet er bildet eine männliche Pflanze aus, auch „Fimbel“ oder „kurzer Hanf“ genannt, und eine weibliche Pflanze, der „Tregel“ oder „langer Hanf“. Um Vögel, wie den Hänfling abzuhalten wurde auf den meist kleinen Hanffeldern, eine Vogelscheuche, im Bregenzer Raum die sogenannte „Hanfbutz“ aufgestellt. Redewendungen wie „er hat ein Leben wie der Vogel im Hanf“ oder „ihm ist wohl wie dem Vogel im Hanf“ deuten darauf hin, dass Vögel mit Hanfsamen als Nahrung bestens versorgt waren, und bei einem guten Ertrag sprach man auch für die Menschen von einem „Hanfjahr“! Warum die Hanfpflanze ökologisch betrachtet als sehr wertvoll galt und gilt, kannst du hier nachlesen.
Die Ernte war aufwendig und begann im Spätsommer mit den männlichen Pflanzen, denen der weibliche Fimbel etwas später folgte. Man sprach auch von der „Raufe“ oder „roufen“ im Sinne von Rupfen, da die Pflanzen meist ohne die Verwendung einer Sichel ausgerissen wurden. Zum „Dörren“ richtete man sie anschließend an der Haus- oder Stallwand auf.
Um die Samen zu gewinnen hat man die weiblichen Pflanzen mit der sogenannten „Riffel“, einem kammartigen Rechen „geriffelt“, mit der sich Hanf- und Flachsfasern außerdem auch durchkämmen und reinigen ließen. Im Vorarlberg wurde die Riffel noch auf einem Riffelbock befestigt, wodurch beim Gegenschlagen und Drüberziehen die Samen ausfielen bis schließlich nur noch die leeren Samenhüllen daran hingen. Die guten Hanfsamen behielt man als Saatgut für das nächste Jahr, die qualitativ schlechteren wurden als Vogelfutter oder in der Küche verwendet.

Die "Röste"

Als nächstes fand die „Röste“, „Rösse“ oder „Rötzen“ statt, die entscheidend die anschließende Qualität der Fasern bestimmte. Flurstücke mit den Bezeichnungen „Rossa“ (Bezirk Dornbirn, Stadt Dornbirn), „Rossabühl“ (Bezirk Bregenz, Gem. Andelsbuch), „Rössele“ (Bezirk Feldkirch, Gem. Zwischenwasser), „Rossaholda“ (Bezirk Bregenz, Gem. Schnepfau), „Rossen“ (Bezirk Bregenz, Gem. Lingenau) oder „Rozi“ (Bezirk Bludenz, Gem. Sonntag) deuten auf ihre ehemalige Nutzung als Hanf- (oder auch Flachs-)röste hin. Üblich war die Wasserröste in einem Teich oder Wassersammelbecken- bzw. loch, belegt durch Flurnamen wie „Rötzeloch“  (im Bezirk Bludenz, Gem. Bürserberg), bei der die Hanfpflanzen für ein bis zwei Wochen eingeweicht wurden. Die Sonne brachte den Gärungsprozess in Gang, der die Pektine im Pflanzenstängel auflöst, die die Fasern mit den festen Holzbestandteilen verbinden.
Vor der weiteren Verarbeitung musste man die Fasern wieder trocknen, was entweder im Freien oder in sogenannten „Bad- oder Brechelstuben“ stattfand – auch dies durch alte Flurbezeichnungen wie „Badstube“ im Bezirk Feldkirch und in der Gemeinde Schlins belegt. Das Wort „baden“ bedeutete in diesem Zusammenhang erhitzen, was die Hanf- und auch die Flachsfasern weicher machen sollte.

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Die Verarbeitung

 Der nächste Arbeitsschritt, das sogenannte „Brecheln“,  war kräftezehrend und langwierig, und wurde als herbstliche Gemeinschaftsarbeit vor allem von den Frauen verrichtet, begleitet von einem reichen Brauchtum. Hierbei wurden die Fasern mit immer feineren Brecheln vollends von den Stängelhüllen gelöst. Die "Brechel“ ist ein langes scherenartiges, aus mehreren Teilen bestehendes Holzgerät mit einer scharfkantigen Brechlade mit Schlitzen, in die ein oder mehrere Scherenblätter mit ihrer Schneide eingreifen. Die Grob- und Feinbrecheln sind dabei entweder in dafür vorgesehenen Wandlöchern in der Brechelhütte oder auf speziellen Brechelstühlen befestigt. Auch hier verraten uns wieder Flurnamen mit der allemannischen Bezeichnung „Grammle“ für die Hanfbreche, wo das Brecheln stattgefunden hat – beispielsweise „Gramlasta“ (Bezirk Bludenz, Gem. Bürs), Gramla(sta)“ (Bezirk Bregenz, Gem. Bizau) oder „Gramla“ (Bezirk Bregenz, Gem. Schoppernau).
Zu sogenannten „Wergzöpfen“ geflochten oder als Bündel hat man die gebrochenen Hanffasern anschließend in der mit einem Wasserrad angetrieben „Hanfriebe  durch einem konischen Stein zerrieben. Der Flurname „Riebe“ in der Stadt Dornbirn und Marktgemeinde Götzis (heute das Schwimmbad Riebe) bezeugen solche Orte.

Das "Hächeln"

Nachdem die Fasern über die „Schwinge“ oder einen „Schwingstock“ geschlagen wurden, folgte als letzter Arbeitsschritt das „Hächeln“ oder „Hecheln“, bei dem man die Fasern immer wieder in Büscheln durch die Hechel zog. Ganz ähnlich wie beim Brecheln startete man auch hier mit einer grobzinkigen Hanfhechel und ging zu immer feineren Zinken über. Nicht alle Fasern waren so fein, dass sie zu Fäden für Leinen verarbeitet werden konnten, aber dennoch fand alles Verwendung. Mit groben Fasern ließen sich Fässer stopfen oder Häuser abdichten, die feineren verarbeitete man zu Stricken, sogenannte „Hanfbuste“, Säcken oder rauem Tuch. Und sogar den Hächelabfall konnte man in so mancher Bettzeug Füllung wieder finden!
Sprachlich war der Hanf auch als Adjektiv vertreten. So wurden Produkte aus Hanf als „hanfen“ bezeichnet oder im Vorarlberger Dialekt als „hänfen“ oder „hempfe“, wie zum Beispiel ein hänferner Strick oder ein „hänfes Tuech“.

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Naturkunde und Kräuter für Leib und Wohl

Im 16. Jahrhundert findet man den Hanf außerdem in fast allen Kräuterbüchern, meist mit Hinweis auf seine medizinische Anwendung aus damaliger Sicht, z. B. bei Asthma, Grünem Star, Tumoren, Epilepsie, Muskelkrämpfen, Rheuma oder Migräne. Allerdings war nie die Rede von der berauschenden Wirkung, für die er im Orient sehr wohl bekannt war. Zur Verwendung in der Küche finden sich in mittelalterlichen Kochbüchern unter anderem Rezepte zu Käse aus Hanf, Hanfsuppe, gepresstem, gebackenem oder gebratenem Hanf, Hanfkuchen oder Hanftopfen.

Zeitzeugen - Flurnamen mit Bezug zum Hanf:

Auhänfern (BEZIRK Feldkirch, Gem. Schlins): „Ouwe“ oder „Ouwa“ (Land am Wasser, Insel): Ein Landstück in Gewässernähe, auf dem Hanf angebaut wurde.
Hampfara (BEZIRK Feldkirch, Gem. Satteins): Hanfərə (Mundartlich Hampfere) steht für die Hanfpflanzung, aber auch für eine Wiese, auf der früher Hanf angebaut wurde.
Hanefrötz (Niederösterreich, BEZIRK Korneuburg, Gem. Hausleiten): Hanef für Hanf und roeze oder röste – eine Flur, auf der die Hanfröste durchgeführt wurde
Hanfacker (Vorarlberg, BEZIRK Bludenz, Gem. Nenzing / Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Bildstein): Hanef, Han(i)f für Hanf – ein Acker, auf dem Hanf angebaut wurde
Hanfbühl (Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Andelsbuch): hanef, han(i)f für Hanf und  bühel für Hügel – ein Hügel, auf dem Hanf angebaut wurde.
Hanffeld (Tirol, BEZIRK Innsbruck-Land, Gem. Telfs): hanef, han(i)f für Hanf – ein Feld, auf dem Hanf angebaut wurde.
Hanfholz (Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Möggers): hanef, han(i)f  für Hanf und holz für Holz, aber auch Wald – Wald bei einem Hanffeld
Hanfland (Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Andelsbuch / Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Egg / Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Lochau (Mundartform: hámbfland) / Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Schwarzach / Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Schwarzenberg / Vorarlberg, BEZIRK Bludenz, Gem. Nenzing / Vorarlberg, BEZIRK Dornbirn, Gem. Dornbirn / Vorarlberg, BEZIRK Feldkirch, Gem. Altach / Vorarlberg, BEZIRK Feldkirch, Gem. Dünserberg / Vorarlberg, BEZIRK Feldkirch, Gem. Feldkirch / Vorarlberg, BEZIRK Feldkirch, Gem. Frastanz / Vorarlberg, BEZIRK Feldkirch, Gem. Götzis / Vorarlberg, BEZIRK Feldkirch, Gem. Koblach / Vorarlberg, BEZIRK Feldkirch, Gem. Zwischenwasser): hanef, han(i)f  für Hanf – Ackerparzelle, auf der Hanf angebaut wurde.
Hanfwies (Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Buch / Vorarlberg, BEZIRK Bregenz, Gem. Sulzberg): Etymologie: -wiese mit hanef, han(i)f für Hanf mit wiese - Wiese auf der Hanf angebaut wurde
Siedlungsnamen mit Bezug zum Hanf
Hanfthal (Niederösterreich, BEZIRK Mistelbach, Gem. Laa an der Thaya): siehe Flurname Hanfthal
Hanif (Salzburg, BEZIRK Sankt Johann im Pongau, Gem. Sankt Johann im Pongau / Einzelhof, Einöd): hanif für Hanf - Ort, an dem Hanf angebaut wurde.

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Zwei kurzer aber spannende Exkurse in die Etymologie und Ornithologie

Als „Canvas“ wird ein aus starkem Garn dicht und fest gewebter Stoff bezeichnet. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bezieht sich ursprünglich auf Segeltuch, das früher meist aus reinem Hanf und Leinen gefertigt war. Das Wort stammt aus dem 13. Jahrhundert und kommt vom angelsächsischen Canevaz und vom altfranzösischen Canevas  für Leinwand. Es leitet sich aus dem lateinischen Cannapaceus  für Cannabis („aus Hanf“) und aus dem griechischen Wort κάνναβις (Kannabis) ab. Durch die Vormachtstellung des Britischen Weltreichs und später die weltweite Amerikanisierung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Canvas zum globalen Begriff.
Ein Vogel verrät seine Vorliebe für die Pflanze. Der Bluthänfling (Linaria cannabina) aus der Familie der Finken wird auch „Hänfling“ oder „Flachsfink“ genannt. Das Männchen hat eine leuchtend karminrote Stirn und Brust und die kleinen Vögel lieben Sämereien aller Art! Als Bewohner von Kulturland war früher der Tisch auf den Hanf- und Flachsfeldern für ihn reich gedeckt. Durch den Verlust der Wildkräuterflora in der intensiven Landwirtschaft gilt er in Deutschland heute allerdings als gefährdet und wird sich sicher über die Rückkehr der Hanfpflanze mit ihren nahrhaften Samen freuen!

Quelle:
Theresa Hohenauer, Die ehemalige Verbreitung von Hanf, Flachs und Biber, Eine sprachwissenschaftlich-kulturhistorische Analyse von Örtlichkeitsnamen in Österreich
www.landnutzung.at/dokumente/Abschlussmanuskript_Hohenauer.pdf
Bildquelle: © Tabea Walch / Hanafsan

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